Konjunktur und Zinsen

Aug 27 2010

Auszug Target Trader vom 26.8.2010
FED und EZB Rücken an Rücken gegen die Krise

Wie groß wird der Konjunkturrückschlag werden? Das ist die wohl im Moment am häufigsten an Volkswirtschaftsexperten und Notenbanker gestellte Frage. In der letzten Woche haben wir Sie bereits – früher als andere Dienste – darüber informiert, dass der Rentenmarkt zum Schlüssel für die weitere Aktienmarktentwicklung geworden ist. Um es gleich auf den Punkt zu bringen: Solange wir vom Bundfuture keine Verkaufssignale bekommen, werden wir an den breiten Aktienmärkten weiter fallende Aktienkurse sehen.

Warum, so werden Sie sich vielleicht fragen, verliert der Euro zurzeit wieder gegenüber dem US-Dollar und anderen wichtigen Währungen an Wert, wenn Deutschland gerade wieder einmal mit steigenden Exportüberschüssen und sinkender Arbeitslosenquote von sich reden macht?

Fugger Privatbank

Nun, hier gibt es Entwicklungen am Markt und innerhalb der Europäischen Zentralbank (EZB), die uns in den nächsten Tagen und Wochen noch beschäftigen dürften. Zum einen laufen unsere europäischen Nachbarn Gefahr in die Rezession abzurutschen, wie wir es beispielsweise bei Griechenland jetzt erleben. Die steigenden Risikoaufschläge für Kredite verheißen jedenfalls nichts Gutes. Der Risikoaufschlag in Griechenland ist wieder über 8 Prozent, auf genau 8,30 Prozent angestiegen (s. Chart, Griechenland violett ) und deutet auf eine hohe Ausfallwahrscheinlichkeit. Die Credit Default Swaps (CDS)* erreichen bereits wieder Zinsniveaus wie zum Zeitpunkt vor dem 750-Milliarden-Euro-Rettungspakt mit dem IWF.

Ausfallprämien für Kreditversicherungen mit 5 Jahren Laufzeit
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Aufschlag für Kreditausfallrisiko: Griechenland (+8,3 % violett); Portugal (+2,68 % hellblau); Spanien (+2,15 % grün) und Italien (+1,89 % blau); zum Vergleich: Deutschland (+0,44 %, vorletzte Kurve, mittelblau) und Norwegen (+0,24 %, letzte Kurve, orange). Quelle: Bloomberg

 

Dem vereinten Europa stehen konjunkturell harte Zeiten bevor.

Zum anderen überraschte Bundesbankpräsident Axel Weber jüngst die Märkte mit seiner Forderung, die Politik des leichten Geldes in Europa aufrechtzuerhalten. Wer den Bundesbankpräsidenten kennt, weiß, dass er zu den Falken, also zu den Notenbankern gehört, die Geldwertstabilität stets eine sehr hohe Priorität einräumten. Den Ankauf von Staatsanleihen und Pfandbriefen fortzusetzen, um das europäische Bankensystem weiter mit Liquidität zu versorgen, lässt meines Erachtens nur folgenden Schluss zu: Hinter den Kulissen der EZB rechnet man mit dem Schlimmsten, nämlich einem Abdriften weiterer EU-Länder in die Rezession und einem Ende der Sparanstrengungen bis hin zur Reorganisation von Auslandsschulden.

Zwischenfazit: Dem vereinten Europa stehen konjunkturell harte Zeiten bevor. Während einige Politiker in Deutschland von einem Sommermärchen sprechen und sich selbst sowie die konjunkturelle Erholung feiern, zeigen uns die Aktienmärkte bereits heute, worauf wir uns einstellen müssen, nämlich auf einen harten Konjunkturwinter. So jedenfalls sind die Äußerungen der Notenbanker in den USA und Europa zu lesen und zu interpretieren.

Weit und breit keine Inflation in Sicht?

Es gibt nicht wenige Marktbeobachter, die lautstark die Meinung vertreten, dass wir an der Schwelle einer Hyperinflation stehen. Dann müssten aber die Inflationsrisiken und die damit verbundenen Kreditaufschläge für die Geldentwertung mit der Laufzeit der Rentenpapiere steigen, weil sich niemand sein verliehenes Geld ohne Inflationsausgleich zurückzahlen lässt. Das ist aber nicht erkennbar und das bedeutet: Der Markt beurteilt augenscheinlich die Gefahr einer Deflation höher als die Gefahr einer Inflation. Wenn der Markt recht behält, hat das ernsthafte Konsequenzen für die Wirtschaft.

Was ist Deflation? Deflation ist gleichbedeutend mit einer Spirale fallender Preise und damit verbunden einem Schrumpfen der Wirtschaft. Unternehmer fahren ihre Investitionen zurück und setzen verstärkt Arbeitskräfte frei. „Geiz ist geil“ wird vom Schlachtruft einer Spaßgesellschaft zum Schreckgespenst einer Wirtschaft, in der die Einkommen fallen, aber die Sparquote steigt. Nur Bares ist Wahres, egal wie niedrig die Zinsen auch gerade sind, denn Hauptsache das Geld ist sicher und steht zur Verfügung, wenn eine nicht aufschiebbare Investition oder Ausgabe im privaten Bereich ansteht.

Damit es nicht zum Schlimmsten kommt, werden die Notenbanken aktiv ihre Credit-Easing-Maßnahmen fortsetzen. Dass sich Hardliner wie Bundesbankpräsident Axel Weber jetzt der US-Initiative anschließen, lässt darauf schließen, wie ernst die Lage ist. Wir werden in unseren Musterdepots die Möglichkeit einer bevorstehenden Baisse nicht ausschließen und aktiv handeln, nicht nur weil Spekulationen auf fallende Börsenkurse höhere Renditen bringen werden als Sparbücher und Lebensversicherungen, sondern weil sie ein probates Mittel für unsere Leser darstellen, Verdiensteinbußen in anderen Kapitalanlagen zu kompensieren.

Fragen bitte an: info@my-broker.de

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